Fast wie "Die drey scheenschte Dääg"

Am Sonntag starteten Pädi, Vali und ich dann schon um halb neun in Mülenen (beim Niesen). Es war noch sehr frisch, doch mussten wir zuerst 2 Stunden hochfahren, da bekamen wir bald warm und schon bald blinzelten wir in die ersten Sonnenstrahlen. Wir fuhren das Kiental hoch und kämpften uns zur Griesalp. Kämpfen nicht weil wir schnell fuhren, es ist ja schliesslich Herbst, sondern weil die Steigung zwischenzeitlich 28% betrug! Weiter ging es bis Ob Bund. Um halb elf brauchten wir die erste Stärkung nach dem Schock, als uns Pädi zeigte bis zu welcher Hütte wir hoch mussten. Vali und ich hielten es für einen schlechten Witz, doch es war tatsächlich so...
Der Wegweiser prophezeite uns 3 Stunden Fussmarsch mit dem Bike auf dem Rücken, denn an ein Schieben war nicht zu denken, das Gelände war viel zu steil! Wir überholten einige Wanderer, die uns ziemlich komisch anschauten und so hatten wir dann auch nur 1Stunde 40...! Doch ich kam als Flachlandmaitschi schon an meine gebirgstechnischen Grenzen, Schnee und Eis machten es nicht leichter und dies alles mit dem Bike auf dem "Buggel"!
Oben konnte ich es kaum glauben, es war ein unbeschreibliches Gefühl und diese Aussicht!!! Auch die Wanderer in ihren schweren Bergschuhen konnten es kaum glauben, dass sich drei Biker über das Hohtürli trauten!
In der Blüemlisalp Hütte auf 2850 Meter über Meer gönnten wir uns das verdiente Mittagessen und genossen die Vorfreude auf die Abfahrt, den endlos scheinenden Trail sahen wir natürlich schon! Rasant ging es hinunter alles auf dem Höhenweg vom Hohtürli in Richtung Oeschinensee und schon bald konnte wir zurück blicken und ungläubig zeigten wir auf die Hütte am Horizont bei der wir doch gerade eben noch waren!
Auch auf dieser Seite trafen wir verdutzte Wanderer. Die zwei Männer fuhren voraus und als ich kurz stoppte um die richtige Linie zu finden meinte ein Wanderer: „Wenigstens ein Vernünftiger, der absteigt!“ Doch dann sah er mich genauer an und fügte an: „Was eine Frau!“ und dachte sich wohl seine Sache dabei. Doch die Wanderer hatten alle Freude an uns und feuerten uns sogar an!
Wir fuhren unbeirrt weiter auf den schönsten Trails. Zum Schluss nahmen wir noch den Lötschberg Nordrampe Höhenweg bis wir um halb sechs ziemlich erschöpft kurz vor Frutigen vor einem grossen Teller Spaghetti landeten!
Rund 10 Stunden nach dem Start in Mülenen kamen wir wieder zum Auto zurück mit einem Rucksack voller schönen Erfahrungen und Eindrücken!
Am Montag wollte ich das schöne Wetter nochmals geniessen und machte, wieder von Zweisimmen aus, die Seebergsee-Runde. Ich war zwar nicht mehr wirklich fit, doch die Landschaft und das Wetter liessen mich alle Strapazen vergessen!
Das waren wirklich drei wunderbare Bike-Tage!
© katrinleumann.ch, 2008-09-30
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